Ihr könnt nicht aussehen wie euer gefiltertes Foto

Auf einen Blick
- 📱Social-Media-Filter als OP-Vorlage
- ⚠️Warnung vor unrealistischen Erwartungen
- 👨⚕️Expertenrat von Dr. Schuhmann
- 🧠Risiko für Körperbildstörungen
BILD Düsseldorf, 31. Mai 2023 – von Jana Quoos
Immer häufiger bringen junge Patient:innen gefilterte Selfies als Vorlage für ästhetische Eingriffe mit. Plastische Chirurgen warnen jedoch vor falschen Erwartungen.
Was Social-Media-Filter versprechen
Vollere Lippen
Sofortige Volumen-steigerung per Klick
Definierte Wangen
Markante Konturen in Sekunden
Makellose Haut
Perfekte Ebenmäßigkeit ohne Poren
Warnung von Dr. Schuhmann
„Es entwickelt sich ein kollektiver Druck, sich Eingriffen zu unterziehen, obwohl Filter keine authentische Basis darstellen", sagt Dr. Karl Schuhmann. Viele wünschen sich vollere Lippen oder definiertere Wangenknochen – Effekte, die Social-Media-Filter in Sekunden erzeugen.
Der Düsseldorfer Experte plädiert für maßgeschneiderte Behandlungen, die zur individuellen Anatomie passen. Von dauerhaftem Buccal-Fat-Removal rät er ab: „Entfernte Fettzellen lassen sich nicht zurückholen, im Alter droht zusätzlicher Volumenverlust."
Empfehlungen der Experten
Dr. Schuhmann
Maßgeschneiderte Behandlungen, die zur individuellen Anatomie passen – keine standardisierten Filter-Looks
Dr. Bartsch
Social-Media-Zeit begrenzen und echte Begegnungen pflegen, damit das Gehirn unverfälschte Gesichter als Normalität abspeichert
Psychologische Risiken
Auch die Fachgesellschaften mahnen: Übermäßiges Filtern kann das Körperbild verzerren und im Extremfall eine körperdysmorphe Störung begünstigen.
Körperdysmorphe Störung (KDS): Eine psychische Erkrankung, bei der Betroffene übermäßig mit vermeintlichen Makeln ihres Aussehens beschäftigt sind, die für andere kaum oder gar nicht wahrnehmbar sind.
Häufig gestellte Fragen
Warum sind gefilterte Selfies keine gute OP-Vorlage?
Social-Media-Filter erstellen unrealistische, künstliche Ideale, die oft nicht mit der natürlichen Anatomie vereinbar sind. Sie ignorieren individuelle Gesichtsproportionen und können zu Ergebnissen führen, die unnatürlich wirken. Zudem setzen Filter Standards, die chirurgisch oft nicht erreichbar oder medizinisch nicht sinnvoll sind.
Was ist Buccal Fat Removal und warum rät Dr. Schuhmann davon ab?
Buccal Fat Removal ist die operative Entfernung von Wangenfett für definierte Konturen. Dr. Schuhmann warnt, dass dieser Eingriff irreversibel ist: Einmal entfernte Fettzellen können nicht zurückgeholt werden. Im Alter verliert das Gesicht natürlicherweise an Volumen – wer bereits in jungen Jahren Fett entfernen lässt, riskiert später ein eingefallenes, gealtert wirkendes Gesicht.
Wie erkenne ich, ob meine Erwartungen realistisch sind?
Ein seriöser plastischer Chirurg wird im Beratungsgespräch ehrlich erklären, was medizinisch möglich und sinnvoll ist. Warnsignale sind: Der Arzt verspricht exakt das Filter-Ergebnis, geht nicht auf Ihre individuelle Anatomie ein oder drängt zu Eingriffen. Realistische Erwartungen orientieren sich an natürlichen Verbesserungen, die zu Ihrem Gesicht passen – nicht an standardisierten Filter-Looks.
Was kann ich tun, um mich von Filter-Idealen zu lösen?
Dr. Bartsch empfiehlt, Social-Media-Konsum bewusst zu reduzieren und mehr echte, ungefilterte Begegnungen zu suchen. Folgen Sie Accounts, die natürliche Schönheit zeigen und Filter transparent kennzeichnen. Reflektieren Sie kritisch: Vergleiche ich mich ständig mit digitalen Idealbildern? Professionelle Unterstützung durch Psychologen kann helfen, wenn Sie unter dem Druck leiden.
Wann ist eine ästhetische Behandlung dennoch sinnvoll?
Ästhetische Behandlungen sind sinnvoll, wenn Sie eine konkrete Verbesserung anstreben, die zu Ihrer natürlichen Anatomie passt – nicht, um einem Filter nachzueifern. Beispiele: Müde wirkende Augen auffrischen, asymmetrische Merkmale harmonisieren oder altersbedingte Veränderungen ausgleichen. Wichtig ist, dass Ihre Motivation aus eigenem Wunsch entsteht und nicht aus sozialem Druck.
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Über den Autor

Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie & Handchirurg
Mit mehr als 30.000 Eingriffen und mehrjähriger Tätigkeit als Chefarzt führt Dr. Schuhmann seit 2016 als Gründer von artethic® seine Praxen in Düsseldorf und Berlin.