17. April 2019Presse

Arzt operiert im Urlaub Verbrennungsopfer

WAZ Hattingen, 17. April 2019 · Von Eva Arndt

Karl Schuhmann war mit einem Team im indischen Bangalore und operierte zwei Wochen lang schwer verletzte Menschen. Das dankbare Lächeln der Patienten ist der Lohn für seine Arbeit.

Karl Schuhmann, Chefarzt der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Handchirurgie am EvK, arbeitete wieder zwei Wochen unentgeltlich für Menschen in Indien.
Karl Schuhmann, Chefarzt der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Handchirurgie am EvK, arbeitete wieder zwei Wochen unentgeltlich für Menschen in Indien, die keine medizinische Versorgung haben. Foto: Fischer / WAZ

„Das Operieren strengt mich nicht an. Ich bin dann endlich mal vierzehn Tage nur Mediziner, kann Menschen helfen und habe mit pausenloser Dokumentation nichts zu tun." Diese Aussage nimmt man dem Mediziner Dr. Karl Schuhmann, Chefarzt der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Handchirurgie im Evangelischen Krankenhaus, ab. Zwei Urlaubswochen hat er in diesem Jahr wieder indischen Menschen geschenkt, um ihre teilweise schweren Verbrennungen zu operieren.

Die Belohnung ist für ihn das Lächeln, das die Operierten ihm schenken, das Glück, das er ihnen bringen konnte, wenn sie ihre Arme wieder bewegen können, was vorher durch schlimme Vernarbungen nicht mehr ging. Der Chirurg schenkt ihnen ein Stück Lebensqualität und das macht ihn glücklich.

350 Patienten warteten schon

Mit einem Spezialistenteam – wie schon in den vergangenen Jahren – ist der 51-Jährige wieder ins indische Bangalore gereist – drei plastische Chirurgen, ein Kieferchirurg, drei Anästhesisten, eine Allgemeinchirurgin, eine Assistenzärztin sowie eine OP-Schwester. Die Organisation Interplast Germany e.V. machte es möglich.

„Es gibt in Indien viele sehr reiche Menschen, aber eben auch viele, die keinen oder kaum Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Die Mittelschicht fehlt", erklärt der Arzt. Und da, wo große Armut herrscht, ist der Umgang mit offenem Feuer der Normalfall. Weil auch auf kleine Kinder nicht ständig aufgepasst wird, kommt es immer wieder zu fürchterlichen Verbrennungen der Kleinen. Da viele Menschen kein Geld für eine gute medizinische Versorgung haben, vernarben die Verbrennungen häufig so, dass der Kopf nicht mehr frei bewegt werden kann, die Hände nicht mehr funktionstüchtig sind oder eben die Arme gar nicht mehr hochgehoben werden können, weil die verletzte Haut am Oberkörper angewachsen ist. Häufig treten so genannte Narbenkontrakturen bei großen Verletzungen, Verbrennungen oder Entzündungen auf. Sie schränken die Beweglichkeit ein. „Durch die Verpflanzung von gesunder Haut an die verbrannten Stellen, stellt man die Funktion der Körperteile wieder her", erklärt Karl Schuhmann. Bei den Operationen, die das Team vornimmt, geht es nicht um Ästhetik, sondern um Funktionen, die ein aktives Leben wieder ermöglichen.

Als das Ärzteteam in Bangalore eintraf, warteten schon 350 Menschen auf die Mediziner. „Wir haben es meistens mit jüngeren Menschen zu tun. Sechs Monate sind die jüngsten Babys, die an Lippen- und Gaumenspalten operiert werden, viele Kinder und Jugendliche kommen eben mit schweren Verbrennungen", sagt Schuhmann.

Acht bis zehn Operationen schaffen die Ärzte am Tag. „Wenn wir nach einem Jahr wiederkommen, zeigen uns viele stolz die gelungenen Eingriffe."

Viele Arbeitsmittel nehmen die Ärzte mit

  • Mit viel Gepäck macht sich das Ärzteteam jedes Jahr auf den Weg nach Indien. Zwei Koffer à 23 Kilogramm werden mitgeschleppt. „Nur zehn Kilogramm davon waren meine Sachen", betont Dr. Karl Schuhmann.
  • Instrumente zum Operieren, Verbandszeug, Medikamente und vieles, was man im Operationssaal braucht, nahmen die Ärzte selbst mit.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Interplast Germany e.V.?

Interplast Germany e.V. ist eine gemeinnützige Organisation, die weltweit ehrenamtliche plastisch-chirurgische Hilfseinsätze in Ländern mit unzureichender medizinischer Versorgung organisiert. Über Interplast reiste das Ärzteteam um Dr. Karl Schuhmann nach Bangalore, Indien.

Welche Eingriffe wurden in Indien durchgeführt?

Im Vordergrund standen funktionelle Operationen: die Behandlung schwerer Verbrennungen und Narbenkontrakturen sowie Eingriffe bei Lippen- und Gaumenspalten. Durch die Verpflanzung gesunder Haut wird die Funktion von Armen, Händen und Kopf wiederhergestellt – es geht nicht um Ästhetik, sondern um ein wieder aktives Leben.

Warum kommt es in Indien häufig zu schweren Verbrennungen?

Wo große Armut herrscht, ist der Umgang mit offenem Feuer alltäglich. Da kleine Kinder nicht ständig beaufsichtigt werden können und viele Menschen keinen Zugang zu guter medizinischer Versorgung haben, vernarben Verbrennungen oft so stark, dass die Beweglichkeit dauerhaft eingeschränkt bleibt.

Wie viele Operationen schafft das Team pro Tag?

Das Ärzteteam führt täglich acht bis zehn Operationen durch. Als es in Bangalore eintraf, warteten bereits rund 350 Menschen auf medizinische Hilfe.

Über den Autor

Dr. med. Karl Schuhmann

Dr. med. Karl Schuhmann

Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie & Handchirurg

Mit mehr als 30.000 Eingriffen und mehrjähriger Tätigkeit als Chefarzt führt Dr. Schuhmann seit 2016 als Gründer von artethic® seine Praxen in Düsseldorf und Berlin.

Das könnte Sie auch interessieren